DieterMoneHundeWelt

simdibreyer

Geschichten und so

Hier werde ich immer mal wieder die ein oder andere Story, das ein oder andere Gedicht oder irgendwelche weiteren Mone Gedanken eintragen.


Schwätzbanan un Schnarchnas

(übersetzt: Redebanane und Schnarchnase)


Es heißt ja es gibt bei den Menschen Eulen und Lerchen. Die einen sind eher nachts munter, die anderen können schon früh morgens Bäume ausreißen.

Mein Mann ist beides!

Ich nichts davon!

Allerdings benötige ich ähnlich dem Eulenmenschen morgens mindestens eine halbe Stunde um mein Gehirn (ein Blondinengehirn, vielleicht hats ja auch damit was zu tun) in aller Ruhe zu sortieren. Vor einer Stunde nach dem Aufstehen bin ich in keinster Weise dazu fähig mich mit einem anderen Menschen auf sinnvolle Art und Weise zu unterhalten.

Morgenmuffel werden solche Menschen wie ich genannt von Menschen bei welchen morgens schon der Mund aktiv ist bevor überhaupt die Augen geöffnet sind!

Und hier sind wir nun beim Ausdruck „Schwätzbanan“. Sprich Redebanane, Labertasche.

Mein geliebter Mann war auch vor dem Schlaganfall schon immer aktiv und munter. IMMER!

Nach unserer wunderbaren ersten Nacht erwachte ich damals von einem geflöteten „Guten Morgen“ und dann sang er laut und breit grinsend irgendeinen ollen Schlager in mein rechtes Ohr.

Wir kannten uns lange bevor wir als Paar zusammen kamen und er wusste um mein „langsames Morgengehirn“.

Und nein, ich verprügelte ihn für diese Frechheit nicht! Bei einem jeden anderen Menschen wäre dieser brutale und vor allem extra provozierte Akt des Überfalls in mein Nervenzentrum umgehend äußerst böse ausgegangen. Aber hier nicht. Zum ersten Mal in meinem Leben war es mir möglich kurz nach dem Aufwachen meine Gesichtsnerven zu einem Lächeln zu bewegen! Ich denke es war sicherlich äußerst verzerrt, ähnlich wie das des Jokers in den Batman Filmen, aber ich lächelte! Als Eule! Als Morgenmuffel! Am frühen Morgen! Unfassbar!

Und dann nach einem dicken Knutschi meinte er: „Meine geliebte Schnarchnas“!

Zuckersüß lächelte ich (und dies ging immer besser!) und flüsterte ihm zu: „Meine Schwätzbanan!“

Und damit war dann die Sache klar: Schwätzbanan und Schnarchnas!

Dann kam der Schlaganfall und seit mein Engel sich erholt schwätzt die Schwätzbanan immer mehr ( am liebsten nachts ) und die Schnarchnas kommt fast gar nicht mehr zum schnarchen.

Körperbeherrschung! Nervenbeherrschung! Allesbeherrschung!

So vieles habe ich gelernt. Denn wenn ich dann mal fit und wach bin, bin ich bei uns eigentlich die Person welche ständig unruhig ist und immer im sausen. Bin ständig ungeduldig, falle oft lieben Menschen ins Wort da mein Gehirn sobald es wach ist wild hin und her springt und mir immer wieder was Neues einfällt.

Hier bei uns  war mein Schatz dann der Ruhepol, holte mich immer runter, war mein Halt.

Is schon irre wie das Leben dann so spielt.

Ganz viel Ruhe und Geduld musste und muss ich lernen. Mein Engel hat noch große Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis und wiederholt ständig alles was ihn gerade beschäftigt. Weiß ja nicht dass er dies schon gesagt hatte, es geklärt wurde. Zu Beginn hatten wir Wiederholungen von allen drei bis fünf Minuten! Er hatte Fragen, am Ende der Beantwortung kam die gleiche Frage wieder. Ich war oft kurz davor mit meinem Kopf alle Wände der Welt zu zertrümmern, rauchte mehr Zigaretten als irgendjemand auf der Welt und knabberte wieder Fingernägel.

BLIEB ABER RUHIG BEI IHM!!!!! Für ihn, für meinen Engel welcher die Situation ja gar nicht versteht, da sie eh immer neu für ihn ist.

Bei Freunden und Verwandten aber lasse ich mich ab und an aus, Leute das tut mir Leid aber ich kann dann nicht anders sonst klappt mein Ventil zu.

Mittlerweile haben wir je nachdem wie wichtig etwas für meinen Engel ist Wiederholungen von ca. 40 bis 50 Mal am Tag. Mal mehr, an guten Tagen weniger. Die meisten meiner Fingernägel wachsen wieder und auch nicht jede Wand will ich mit meinem Hirn einschlagen, nur noch jede dritte. Die Zigaretten bleiben noch, mal schauen wies wird wenn wir auf 30 Wiederholungen runter sind.

Meine geliebte Schwätzbanan hat nun seit einiger Zeit folgendes im Petto:

Gegen 21 Uhr wird mein Engel müde, wir gehen zusammen ins Bett. Er schläft umgehend in meinen Armen ein, schnarcht leise und beruhigend vor sich hin. Ich guck noch nen Film, lasse dann die Hundis noch mal raus, ab wieder ins Bett, wohlig gekuschelt an meinen Schatz.

Und genau, ABSOLUT GENAU in dem Moment in welchem die Schnarchnas den Tag und überhaupt alles fast endlich im Geiste verarbeitet hat und glücklich hin zur Entspannung, dem Schlaf gleitet, beginnt die Schwätzbanan zu wuseln! Es fängt an mit einem lauten und mehrmals gefolgtem: „Huaaaaah.“ Dann einem ständigen hin und herdrehen mit welchem mir die Decke vom müden Leib geraubt wird.

Verloren habe ich in dem Moment in welchem ich eventuell mit einem Seufzer zu erkennen gebe, dass ich noch nicht im Land der Träume bin. Wäre ich dies aber nicht, so würde so lange an der Bettdecke gezerrt werden bis es eh geschafft und die Schnarchnas geweckt ist. Denn: Die Schwätzbanan ist urplötzlich munter wie ein Fisch im Wasser und will nun reden! Jetzt und sofort!

Über den Tag und die Welt und die Hunde und die Freunde und die Verwandten und über den Schlaganfall und über das Haus und über das Rasenmähen und über den nächsten Arztbesuch und über die Bäume vorm Haus und über die Bettdecke welche größer sein müsste und über das Licht im Badezimmer und über unser Auto welches unbedingt gesaugt werden muss und über den Tag und die Welt und die Hunde und die Freunde und die Verwandten……………………….

Und die Schnarchnas verdreht lautlos die Augen. Denkt an den Schlag und dass der Geliebte nichts dafür kann und kämpft sich aus dem beginnenden Schlaf langsam wieder heraus, legt mit aller Mühe sämtliche Morgenmuffelkeit ab, gibt aber noch nicht ganz auf, versucht es als Antwort mit einschläferndem: “Hmmm, Hmmmm.“ Und krault der Schwätzbanan den Rücken.

Hilft zumeist nicht.

Irgendwann bekommt mein Engel dann Hunger. Zumeist gegen Mitternacht.

„Ich könnt jetzt mal was essen.“

„Hmmmmm.“

„Also ich hab ganz schön Hunger.“

„Hmmmmm.“ (Kraul)

Einige Minuten Ruhe, dann:

„Mir wird’s jetzt irgendwie schlecht.“

Die Schnarchnas sortiert ihr Gehirn und gibt diesem mitsamt dem anhängenden Körper den Befehl aufzustehen und in die Küche zu gehen. Macht ein, zwei Brote, bringt diese zum hungrigen Schatz.

Wird mit einem strahlenden: „Danke und du bist die beste Frau der Welt!“ belohnt.

Lässt sich dann rücklings aufs Bett fallen, fehlende Decke egal, steht noch einmal ohne Worte auf weil dann plötzlich einem der Hundis eingefallen ist, dass man noch ganz schnell raus muss um ein Pipi zu machen.

Mittlerweile hat die Schwätzbanan gut gemampft, wackelt mit Krücke oder rollt mit Rolli noch auf Klo, Schnarchnas folgt ( da mein armer Schatz ja auch noch unter Morbus Crohn leidet ) guckt, alles ok, beide dann wieder Bett.

Und die Schwätzbanan feuert vergnügt los und erzählt:

Über den Tag und die Welt und die Hunde und die Freunde und die Verwandten und über den Schlaganfall und über das Haus und über das Rasenmähen und über den nächsten Arztbesuch und über die Bäume vorm Haus und über die Bettdecke welche größer sein müsste und über das Licht im Badezimmer und über unser Auto welches unbedingt gesaugt werden muss und über den Tag und die Welt und die Hunde und die Freunde und die Verwandten……………………….

Und während der Flut von Fragen und Sätzen und ich Angst habe dass mein eigener Kopf gleich explodiert und all die angespannten Nerven in meinem Körper zerreißen, nimmt die Schwätzbanan die Schnarchnas ganz feste in die Arme und streichelt mich ganz ganz zärtlich. Und flüstert abschließend in mein rechtes Ohr: „Ich weiß, was du alles aushalten musst mit mir und ich weiß nicht wie ich dir jemals danken soll. Ich liebe dich sososososo sehr, meine kleine Schnarchnas.“ Und dann singt die Schwätzbanan ganz leise und gebrochen den ollen Schlager welchen meine Schwätzbanan,  mein Mann, mein Held, mein Geliebter nach unserer ersten Nacht sang und mich Morgenmuffel damit zum ersten Mal in meinem Leben in aller Frühe zum Lächeln brachte.

Und der Schnarchnas laufen heißen Tränen über die Wangen. Auf Grund dessen, dass seine Erinnerung hier unbewusst ganz plötzlich wieder da war und auf Grunde dessen, dass er eben diese in einigen Minuten wieder vergessen hat.

(aus unserem neuen Buch: "Schatz, was dippelst du?")

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-Gedanken zu unserem Schlaganfall-


Gefangen im eigenen Labyrinth

 der Ausgang verschüttet  

Einst so stolz und stark – lachend die Welt getragen

Zuckende Gliedmaßen – nicht mehr beherrschbar

 Ein Humpeln, ein Stolpern  den Gang verloren  

zitternd und hilflos – sich selbst ausgeliefert

 ist der Körper ohne den Geist  

Und der Geist- einst so wach und so hell

 wie die Strahlen der Sonne an einem heißen Sommertag  

ist plötzlich ein graues Gespenst

Verworren tief in sich selbst

 Verloren  Und voller Angst.  

Tiefschwarz wie der Himmel vor einem Gewitter

 bringt sie Wut, Ungerechtigkeit und Verzweiflung  und schüttelt den hilflosen Geist immer wieder durch sein Labyrinth  

Was bleibt ist die Erinnerung

 an einen heißen Sommertag.  

Und auch wenn Wolken die Sonne verdecken

so scheint sie trotzdem und unablässig – einen jeden Tag